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BRONZE beim Bundesfinale der Mini-Meisterschaft

Am 01./02. Juni 2019 fand in Berlin das Bundesfinale der Mini-Meisterschaft statt. Jeder Landesverband entsandte seine zwei Meister. Entsprechend waren 20 Mädchen und 20 Jungs im Alter von bis zu 10 Jahren beim Finale vertreten. Insgesamt nahmen diesmal 24.500 Kinder an diesem größten Breitensportturnier Deutschlands teil. Marius, als Berliner Mini-Meister, vertrat den BeTTV, zusammen mit Nina Caspar vom TTC Lok Pankow.

Es ging aber nicht nur um Tischtennis an dem Wochenende. Den Kindern wurde ein reichhaltiges Rahmenprogramm geboten, von einer Zauberdarbietung über einen Besuch im Tierpark bis hin zu einem Showkampf des einstigen Doppel-Weltmeisters Steffen Fetzner. Auch für Verpflegung, Sportkleidung und sogar eine Unterkunft war gesorgt. Ein sehr gut organisiertes und für die Kinder und Eltern unvergessliches Großereignis!

Vor allem wollten wir uns aber natürlich sportlich beweisen. Und das Turnier hatte es wirklich in sich. Eine Achterbahn der Gefühle und Leistungen wartete auf uns. Los ging es mit der Vorrunde. In vier 5er Gruppen wurden die Zuordnungen für die Zwischenrunde ausgespielt. Um eine Medaillenchance zu haben, musste man in der Vorrunde Erster oder Zweiter werden. Aus diesen insgesamt acht Kindern wurden in der Zwischenrunde zwei 4er Gruppen gebildet. In der Endrunde spielten dann die beiden Gruppenersten der Zwischenrunde um Platz 1 und 2, die beiden Gruppenzweiten um Platz 3 und 4 usw.

Marius startete in der Vorrunde mit einem klaren 3:0. Doch gleich darauf kam der erste Tiefschlag. Gegen einen ebenfalls ziemlich unorthodox spielenden, an einen Grundlinientennisspieler erinnernden Gegner konnte Marius bei 2:1 eine 9:5 Führung nicht ins Ziel retten und bei 2:2 nicht einmal eine 9:3 Führung. Er verlor 9:11! Wir waren fassungslos. Der Gegner hatte sein Spiel nicht geändert, wurde keineswegs gefährlicher, sondern spielte einfach nur die Bälle auf den Tisch, was Marius schlichtweg nicht mehr in ausreichendem Maße gelang. Er war völlig eingebrochen. Das musste erst einmal verdaut werden. Psychologische Krisenintervention war gefragt. Gott sei Dank verschaffte sich Marius mit einem klaren 3:0 im nächsten Spiel wieder Selbstvertrauen. Während des allgemeinen Trainings vor dem Turnier meinte eben jener Gegner noch, Noppen wären etwas für alte Opas. Schön, dass unser Opa gewonnen hat. Im letzten Vorrundenspiel ging es um die (Wiener) Wurst. Der Gegner kam aus Bayern und hatte zuvor knapp gegen denjenigen gewonnen, der Marius besiegt hatte. Platz 1 bis 3 in der Gruppe waren möglich. Marius spielte konzentriert und mutig, obwohl der Gegner ihn mit sehr unangenehmen Ballonbällen traktierte und gelegentliche Attacken fuhr. Mit einer großen kämpferischen Leistung gewann Marius 3:1 und sicherte sich damit den Gruppensieg. Erstaunlicherweise verlor sein zweiter Gegner noch ein Spiel.

Platz 8 war damit sicher. Aber wir wollten mehr. Und der Start in die Zwischenrunde war vielversprechend. 3:0 im ersten Spiel. Am nächsten Tag ging es weiter. Zweites Zwischenrundenspiel auch 3:0. Damit war Platz 4 sicher. Jetzt ging es wieder um die Wurst. Ein Sieg im nächsten Spiel und Marius hätte Silber sicher, eine Niederlage und Marius könnte selbst Bronze verpassen. Leider ging fast alles schief. Erstmals hatte es Marius mit einem Gegner zu tun, der zwar unspektakulär, aber von Anfang an sehr clever spielte. Schon im ersten Satz nutzte er alle taktischen Mittel gegen das viel zu ungefährliche Noppenspiel von Marius aus: Rollaufschläge, Topspin-Schupf-Wechsel, Ballonbälle, Lullerbälle und punktbringende Angriffe auf Vorlagen. Unter Aufbietung all seiner Fähigkeiten hätte Marius vielleicht eine Chance gehabt, aber mit der Harmlosigkeit und Unsicherheit, die er ausgerechnet in diesem Spiel an den Tag legte, war er chancenlos. Der Gegner, Daniel Schmidt aus Brandenburg, gewann später auch das Finale, wo er mit großem Spielverständnis und technisch-taktischem Geschick gegen eine noch etwas kleine und kopflose Topspinmaschine agierte. Ein verdienter Gesamtsieger!

Für Marius ging es nun im kleinen Finale um Bronze. Und die Vorzeichen standen schlecht. Nach dem letzten Zwischenrundenspiel war ihm übel, seine Kräfte schienen am Ende zu sein. Ob er überhaupt das letzte Spiel würde antreten können und in welcher geistigen, körperlichen Verfassung, war eine Zeitlang unklar. Wir versuchten es mit etwas Ruhe, frischer Luft, Zucker und Koffein. Dadurch wurde er zumindest spielfähig. Und es ging ausgerechnet gegen den Vorrundenzweiten aus Bayern, der Marius tags zuvor fast mit seinen Ballonbällen zermürbt hatte und also um Marius´ Schwächen wusste. Gerade jetzt wäre volle Konzentration nötig. Dass es daran fehlte, bewies der erste Satz: harmloses Bällereinschubsen, hohe Fehleranfälligkeit, kaum Bewegung. 0:1. Im zweiten Satz spielte Marius dann wie verwandelt, mit Körperspannung, Beinarbeit, hoher Qualität in den Schlägen. 1:1. Im dritten Satz dann wieder ein völliger Leistungseinbruch. 1:2. Kaum noch Hoffnung. Und plötzlich ging wieder ein Ruck durch seinen meist so schlaksigen Körper. Er mobilisierte seine letzten Kräfte und gewann die beiden folgenden Sätze deutlich. BRONZE! Wahnsinn! Was für ein Verlauf, was für eine Dramatik!

Herzlichen Glückwunsch, Marius! Ein ganz toller, hochverdienter Erfolg für dich (und das Störenfried-Projekt)!  

Ein steiler Aufstieg war das in dieser Saison, vom unteren Paarkreuz der untersten Liga aufs Podest der Berliner Meisterschaft und des Bundesfinals der Minis. Marius hat sich in eine Situation katapultiert, die gleichermaßen spannend wie herausfordernd ist, insbesondere mental. Binnen weniger Monate, ja Wochen, hat er sich vom unbekümmerten Außenseiter zum Leistungsträger entwickelt, der einerseits an Selbstvertrauen gewonnen, andererseits mit neuer Unsicherheit zu kämpfen hat. Er muss jetzt lernen, mit dem wachsenden Erwartungsdruck, innerem wie äußerem, umzugehen. Hinzu kommen die vielen wechselnden und prägenden Eindrücke aus den z.T. recht langen Turnieren. Für den Moment müssen wir etwas zur Ruhe zu kommen und alles verarbeiten, damit der nächste Schritt erfolgen kann. Dazu braucht es die richtige Einstellung und Trainingsplanung. Es wird eine aufregende und anstrengende Zeit auf Marius zukommen, denn Fähigkeiten und Erfolge gehen auch mit der Verpflichtung einher, weiter hart an sich zu arbeiten. Diese Geisteshaltung herauszubilden und zu festigen, bei allem Stolz und aller Freude, ist die Aufgabe der Stunde. Wir haben noch viel zu tun im athletischen, technischen, taktischen und mentalen Bereich. Also packen wir es an, nutzen wir den Schwung der ersten Erfolge und die daraus erwachsende Vorbildwirkung. Dann werden wir uns mit weiteren Erfolgen belohnen, die, weil härter erarbeitet, auch schwerer wiegen. Jedoch wollen wir den Moment jetzt erst einmal genießen!    

P.S. Glückwunsch auch an Nina Caspar, die gute Spiele abgeliefert und einen respektablen 9. Platz belegt hat. Damit hat sich der Gastgeber Berlin insgesamt würdig präsentiert.

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